Der Sturm in München 2011

von William Shakespeare              Eine Produktion der SCHAUBURG München

Spielzeit  2011 / 2012


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Der Titel gibt die Themen des Stücks vor: Der Sturm um Macht, innerer Sturm, emotionaler Sturm, Geistessturm. In jeder Szene geht es ums Ganze. Für alle. Ein Stück für unsere Zeit. Und ein Stück für junge Leute.

Beat Fäh erzählt von Machtstreben, Gnade und Verzeihen. Und Hoffnung. - Aktuell. Glasklar. Brennend. 

Mitwirkende:

559

  Regie: Beat Fäh

  Bühne und Kostüme: Franziska Kaiser

  Musik: Florian Rein

  Es spielen:

  Josephine Ehlert

  Marlis Hirche

  Lucca Züchner

  Oliver Bürgin

  Markus Campana

  Wolfgang Cerny

  Oliver Dassing

  Peter Wolter


Dauer ca. 110 Minuten, 15+


Prosperos Gnade

Alle Facetten von Machtstreben, Gewalttätigkeit, Verschwörung – aber auch der Liebe – hat Prospero in seiner Insel-Inszenierung aufgefächert und erkennt die Unzulänglichkeit des Menschen als unveränderlich. Er muss sich eingestehen, dass seine Macht ausgespielt hat. Deshalb führt er alle Beteiligten zusammen und löst den Zauber. Das Finale handelt von Triumph, Wiedergutmachung, von Versöhnung. Am Schluss bleiben Miranda und Ferdinand. Sie haben die Liebe entdeckt. Die grausame Welt rund um sie haben sie nicht wahrgenommen. Das ist ihre Chance. Sie können neu beginnen. Alle Figuren sind einer Prüfung unterzogen worden. Die Schlussfolgerungen darf der Zuschauer ziehen. Ein moralischer Appell fehlt. 

In diesem Stück zeigt sich „die herrliche, grausame und dramatische Welt, die plötzlich die ganze Macht des Menschen offenbarte und seine ganze Armseligkeit; die Welt, in der Natur und Geschichte, Königsmacht und Moral zum ersten Mal frei von theologischen Sacra gezeigt wurden. Das elisabethanische Theater war diese Welt.“ (Jan Kott) 


Shakespeares Theater

„Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler“. (aus: Wie es Euch gefällt) Das gilt auch für Prosperos Insel. Sie ist Welt und zugleich Bühne. Wie löst man diese Forderung ein? Mit rotem Vorhang? Er ist noch immer das große Symbol für Theater: Der Vorhang öffnet sich, gibt den Blick frei auf die Bühne, und der Zuschauer wird wieder zum staunenden Kind. Da wir mit unserer Inszenierung von DER STURM kein Zaubermärchen erzählen, sondern Bilder der wirklichen Welt zeigen, hat der rote Vorhang seine Magie verloren. Er hängt einfach als Zitat im Bühnenraum. Das Bodentuch ist teilweise aufgerollt. Ist es die Stunde vor oder nach der Vorstellung? Ein Zirkel, mit dem im Theatermalsaal Kreise mit großem Durchmesser gezogen werden, ist installiert. Markiert Prospero mit dessen Hilfe seine Insel? 

Diese reduzierten Elemente, umsäumt von Zuschauern auf drei Seiten, beschreiben die Bühne, die zugleich die Welt ist. Illustration würde diese Welt klein machen. Einleuchtend zeigt sich das an der Figur des Ariel. Welches Kostüm trägt eine Figur, die unsichtbar ist? Ein solches gibt es nicht. Man muss theatralische Lösungen finden, wodurch die Kreativität der Zuschauer stimuliert wird und Glaubhaftigkeit entsteht. 

Für diese Theaterform ist Beat Fäh ein Spezialist. Das steht seit 1989 fest, als er in der SCHAUBURG seine legendäre Fassung des Sommernachtstraums unter dem Titel „Rose und Regen, Schwert und Wunde“ inszenierte. Er beherrscht die Kunst, im leeren Raum mit den Schauspielern zu zaubern, also ohne Ausstattung, Flugwerk, Arielflügeln und Caliban-Maske. Aus der Beschäftigung mit dem Text und dem Autor entsteht das Spiel. Dann braucht Caliban keine Monster-Maske, um das Ungeheuerliche seines Charakters zu zeigen. Die Vorstellungskraft des Schauspielers beflügelt die Fantasie des Zuschauers, wenn dies in den Proben entsprechend erarbeitet wurde. 

Beat Fäh meidet die Illustration eines Textes. Er fordert die Spieler dazu heraus, die Spannung zwischen persönlichem Zugang und der „Werktreue“ zu suchen. In seinen Proben geht es nicht darum, Verabredungen herauszuarbeiten. Gesucht werden vielmehr Gradlinigkeit und das Unverkrampfte beim Spiel. So entstehen Leichtigkeit, Lebendigkeit und Komik auf der Bühne, die wiederum das Publikum inspiriert. Der große Theatertheoretiker Jan Kott hat es so formuliert: „Der wahre STURM von Shakespeare ist drohend und roh, lyrisch und grotesk, er ist – wie alle großen Werke Shakespeares – eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit der wirklichen Welt.“ Und wir fügen hinzu: Ein großartiges Stück für junge Menschen, die Fragen an die Welt, an sich, an die Zukunft haben.

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